Kampf und Kooperation mit dem inneren Schweinehund

Jeder der schon mal gute Vorsätze in die Tat umsetzen wollte, wird seine Bekanntschaft gemacht haben. Die Kraft, die um Ausreden nie verlegen ist, die uns förmlich auf die Couch nagelt, die bei den Gedanken an Anstrengung schon die Schweißdrüsen öffnen kann, und die den Genuss, wie den Leitstern des Lebens, als allein seligmachend preist.

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Genau, ihr alle kennt ihn! Euren, unseren inneren Schweinehund! Die folgende Geschichte zeigt auf, wie gefinkelt die Methoden im Kampf mit dieser Urkraft sein können und wie überraschend Strategien zu Lösungen und Kooperation führen kann.

Ein neues Jahr beginnt, voll motiviert wird eine Lebensstiländerung beschlossen. Gesünder essen, mehr Bewegung, weniger Alkohol – die Klassiker eben. Weil man seinen inneren Schweinehund ja kennt, wird Trick eins angewandt, nicht der erste Jänner  soll der Beginn sein, sondern der erste Neumond des Jahres soll die Wende einläuten. Die Zeit bis dahin gilt es zu nutzen, schließlich sollen ja konkrete Ziele definiert und der ISH mundtot gemacht werden. Die Kekse müssen aufgegessen, der Alkohol vernichtet und der Kühlschrank leergeräumt werden. Vollkornprodukte, Gemüse, Obst und Joghurt feiern Einzug in den Vorratsschränken und die Weinlade wird mit Kräutertee gefüllt. Neue Sportschuhe und eine allwettertaugliche Sportbekleidung angeschafft. Nun kann es losgehen!

Die ersten Tage ist der innere Schweinehund so verstört das nicht mal die kleinste Meldung von ihm kommt. Nach einer Woche versucht er das erste Mal zu motzen, er will mir weismachen, dass die Schuhe drücken. Aber ich habe vorgesorgt, Blasenpflaster sind im Erste Hilfe Kasten. Am nächsten Tag will er mir einreden, dass der Regen meiner Gesundheit schaden könnte, er hat nicht mit der versteckten Kapuze im Jackenkragen gerechnet. Daraufhin bleibt es einige Zeit ruhig. Fast wiege ich mich in Sicherheit. Da beginnt mein ISH mit einer neuen Strategie, er jammert zum Steinerweichen. Immer wieder erklärt er mir, wie schwer die Beine sind, die Fußsohlen schmerzen, das Herz aufgrund der ungewohnten Anstrengung überlastet ist, und dieser ganze Stress eh nichts bewirkt. Ich aber habe einen starken Partner, meine Sturheit! Die Zwei haben sich, zu meinem Glück, noch nicht miteinander befasst.

Der Sturkopf jubelt mit mir, wenn ich auf der Waage stehe, klopft mir auf die Schulter, wenn ich mein Trainingsprogramm beendet habe. Flüstert mir motivierende Worte ins Ohr, wenn ich aufgeben will. Klopft mir auf die Finger, wenn fette oder süße Lebensmittel in meinem Korb wandern wollen. Erstaunt verfolge ich wie diese Partnerschaft mich äußerlich und innerlich verändert. Glückshormone durchströmen meinen Körper und bringen meine Seele zum Jubilieren. Beinahe hätte ich auf meinem inneren Schweinehund vergessen, nur dieser nicht auf mich.

Er fängt mir an vorzuschwärmen wie schön am Badestrand sei, das Eis beim Italiener gut sei und es sowieso zu heiß für Sport ist. Urlaubszeit ist auch und das ist doch immer eine Zeit des Genusses gewesen. Als Verstärkung hat sich der fiese Kerl auch noch meine Familie und Freunde geholt, die ihn mit Grillfesten und Partys unterstützen. Ich gebe auf und schicke meinen Sturkopf in eine Auszeit, aber nicht ohne einen fixen Rückkehrtermin auszumachen.

Damit hat mein ISH nicht gerechnet, denn nach drei Wochen räkelt er sich faul auf der Couch, grinst mich mit seinem Schokoladeverschmierten Mund frech an und stößt mich mit der Nase auf die Prosecco Flasche. Da kommt, Gottseidank, meine Sturheit zurück, Vertrag ist eben Vertrag! Er knebelt meinen ISH, nimmt mich bei der Hand und setzt mich auf das Fahrrad. Dank der monatelangen Übung bin ich sofort wieder im Sportmodus und achte genau darauf was auf meinem Teller landet. Wochenlang lebe ich so glücklich und zufrieden meinen neuen Rhythmus, bis plötzlich mein ISH sich wiederum zurückmeldet. Diesmal hat er eine Strategie im Köcher die ich erst nach Wochen durchschaue.

Mein innerer Schweinehund hat sich maskiert! Nun treibt er mich an, weiter, höher, schneller, feuert er aus allen Rohren. Mein Erstaunen wandelt sich in Freude. Freude darüber nun einen zweiten starken Partner zu haben und folge ihn wie paralysiert. Nun ist es mein ISH der mich von der Couch vertreibt und leiste ich ihm nicht Folge, holt er sich zur Verstärkung, das schlechte Gewissen. Meine Sturheit kann mit dieser Situation nicht umgehen und vertschüsst sich. Solange bis sich mein Körper mit dem Notruf, Erschöpfung, meldet.

Da, plötzlich ist die Sturheit zurück und hat den Hausverstand an der Hand. Gemeinsam setzen wir einen Vertrag auf. Ich gestehe der Sturheit und den inneren Schweinehund einen angemessenen Anteil zu. Das schlechte Gewissen und der Hausverstand sind gemeinsam Zünglein an der Waage, aber ich setze in Abstimmung mit allen Vieren, Ziele und Zeitraum fest.

Es ist zwar manchmal mühsam die ständigen Diskussionen auszuhalten, aber damit sind Überraschungseffekte auszuschließen und mein Ego als uneingeschränkter Herrscher über meinem Körper und Geist gesichert.

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